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KASTRIEREN oder NICHT
KASTRIEREN ? Das Wort KASTRIEREN bedeutet die operative
Entfernung der KEIMDRÜSEN sowohl beim männlichen (Hoden) als auch
beim weiblichen Tier (Eierstöcke).
Wir wollen mal schauen, warum
ein Kaninchen kastriert wird, und ob es möglicherweise für Euer
Kaninchen infrage kommt.
GRÜNDE zum KASTRIEREN von
KANINCHEN:
* VERHÜTUNG von SCHWANGERSCHAFT: Das ist der
häufigste Grund, warum Kaninchen kastriert werden, ins besondere dann,
wenn männliche und weibliche Tiere zusammen gehalten werden sollen.
Kaninchen gibt es wahrlich genug in der Welt und man sollte sie nicht
unüberlegt vermehren.
So seid verantwortungsvolle Kaninchenhalter
und züchtet nicht, bevor Ihr nicht bereit seid, alle Verantwortlichkeiten
zu tragen, die dieses Unterfangen mit sich bringt und Ihr euch über die
Zucht ausführlich informiert habt und Ihr die Nachkommen sicher
untergebracht habt!
* VERHÜTUNG von GEBÄRMUTTERKREBS:
Dies ist der häufigste medizinische Grund weibliche Kaninchen zu
kastrieren. In manchen Kaninchenlinien liegt die Adenokarzinomrate (eine
bösartige Krebsart) der Gebärmutter, bei 80%. Man vermutet eine
genetische Verankerung bei Kaninchen. Obwohl wir die genetische Komponente
unseres Kaninchens bezüglich des Gebärmutterkrebses nicht kennen, ist
es besser die Kastration als Krebsvorsorge durchzuführen.
Gebärmutter-Adenokarzinome können rasch in andere Organe streuen, so
in die Leber, die Lunge und die Haut und geraten hier als Metastasen
außer Kontrolle. Solche Fälle beobachten wir häufig jedes Jahr
und traurigerweise hätte man dieses Problem vermeiden können.
Kaninchen unter 2 Jahren Alter sind sehr selten betroffen, so dass es am besten
ist, die weiblichen Tiere vor diesem Alter zu kastrieren.
*
VERHÜTUNG von ANDEREN GEBÄRMUTTERERKRANKUNGEN: Obwohl der Krebs
die häufigste Erkrankung der Gebärmutter bei weiblichen Kaninchen
ist, sehen wir doch häufiger auch die PYOMETRA (eitrige
Gebärmutterentzündung), HÄMMOMETRA (blutgefüllte
Gebärmutter) und die ENDOMETRITIS (entzündete Uterusschleimhaut). Wie
auch der Gebärmutterkrebs betreffen diese Erkrankungen meistens Kaninchen
über 2 Jahre Lebensalter.
* VERHÜTUNG von
SCHEINSCHWANGERSCHAFTEN: Weibliche Kaninchen können ausgelöst
durch hormonelle Eierstocksaktivitäten agieren, als seien sie schwanger,
obwohl keine Schwangerschaft vorliegt. Dieser Zustand ist medizinisch
unbedenklich, kann aber für die Kaninchendame sehr stressig sein, wenn es
alle Schwangerschaftsstadien durchläuft. Dazu gehören Nestbau,
Milchproduktion und aggressives Territorialverhalten. Diese Aggressivität
macht es dem Kaninchenhalter während dieser Zeit häufig sehr schwer,
das Tier ordnungsgemäß zu versorgen. Manche Kaninchen fressen
während der Scheinschwangerschaft kaum und manche neigen zu
Magen-Darm-Störungen.
* VERHÜTUNG von
BRUSTDRÜSENERKRANKUNGEN: Brustkrebs findet sich nicht so häufig
bei Kaninchen, aber wenn er diagnostiziert wird, breitet er sich häufig
rasch aus und ist schwierig zu therapieren. Die häufigste Brustkrebsart
beim Kaninchen ist das Mamakarzinom, das fast immer mit Gebärmutterkrebs
kombiniert auftritt. Brustdrüsenzysten sind eine weitere Abnormalität
der Brustdrüse. Obwohl diese Erkrankung gutartig ist - die
Brustdrüsen sind mit zystösem Gewebe durchsetzt -, kann sie das
Wohlbefinden des Kaninchens beeinträchtigen. Diese
Brustdrüsenerkrankungen können durch eine Kastration vor dem zweiten
Lebensjahr verhindert werden.
* VERHÜTUNG von AGGRESSIVEM
VERHALTEN: Wenn Kaninchen geschlechtsreif werden , können sowohl
Weibchen als auch Böcke plötzlich aggressives Verhalten zeigen. Viele
Kaninchen sind als Jungtiere niedlich und einfach zu halten, aber mit Beginn
der °Teenagerjahre° etwa im Alter von 6 bis 12 Monaten können sie
quasi über Nacht zum °Monster° werden. Dann wollen sie nicht mehr
berührt oder hochgehoben werden und wollen alles zerstören, was in
ihr Blickfeld kommt. So lernen sie, sich, ihr Territorium und ihre
zukünftige Familie zu schützen, und sich ihren sozialen Rang in der
großen Kaninchenwelt zu sichern. Häufig jedoch zeigen sie diese
Aggressivität auch gegenüber ihrem Pfleger. Sie werden bissig,
aufsässig, rammeln an Armen oder Beinen des Pflegers und jagen
überstürzt durch ihr Gehege. Daher ist es besser, sie vor oder kurz
nach der Geschlechtsreife zu kastrieren.
* VERHÜTUNG VON URIN
SPRITZEN: Beide Geschlechter können an senkrechten Flächen Urin
verspritzen, um ihr Territorium zu markieren. Böcke machen das etwa 10 mal
häufiger als Weibchen. Zusätzlich hat der Urin des geschlechtsreifen
Bockes einen für Menschen sehr unangenehmen Geruch. Wenn das Urinspritzen
über längere Zeit toleriert wird, ist es nicht mehr möglich,
dieses Verhalten ganz zu verhindern. Also ist es auch hier besser, die Bunnies
vor oder kurz nach der Geschlechtsreife zu kastrieren.
*
VERHÜTUNG VON HODENERKRANKUNGEN: Hodenerkrankungen kommen nicht sehr
häufig vor. Am häufigsten werden Abszesse nach Bissverletzungen durch
andere Kaninchen gesehen. Weiterhin gibt es Hodenhämatome und Hodenkrebs.
WANN ist das BESTE KASTRATIONSALTER für mein
KANINCHEN?
Das beste Alter zur Kastration ist für beide
Geschlechter kurz vor oder nach der Geschlechtsreife. Diese beginnt
abhängig von der Rasse mit 4 bis 6 Monaten bei Zwerg- und
mittelgroßen Rassen und mit bis zu 9 Monaten bei
Riesenrassen.
Sollten Weibchen und Männchen gemeinsam gehalten
werden, bietet sich für die Rammler die sogenannte
FRÜHKASTRATION mit ca. 8 Wochen Alter an.
Der Vorteil der
FRÜHKASTRATION besteht darin, dass Rammler sofort wieder mit
Weibchen zusammengebracht werden können, da die Spermienproduktion noch
nicht eingesetzt hat, und die bei geschlechtreifen Böcken etwa
6-wöchige Wartezeit, in der noch befruchtungsfähige Spermien
vorhanden sind, entfällt.
Die Sozialisation wird nicht
gestört. |