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EMPFEHLUNG
der DEUTSCHEN GESELLSCHAFT für TIERZAHNHEILKUNDE (DGT) zur ZAHNBEHANDLUNG
bei KANINCHEN und NAGERN an Tierärztinnen und Tierärzte
Eine profunde
Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen der Mundhöhle und der
Zähne bei Kaninchen und Nagern ist ohne eine geeignete Anästhesie
nicht möglich. Zum einen werden ohne Anästhesie
behandlungsbedürftige Prozesse nicht erkannt, zum anderen ist eine
kunstgerechte Behandlung ohne Anästhesie nicht möglich.
Allein schon
die Fixation und die Anwendung eines Maulspreizers am unsedierten Tier bedeuten
eine erhebliche Belastung, die infolge von Abwehrreaktionen zu Verletzungen
führen kann. Die bei manchen Tieren zu beobachtende Regungslosigkeit
sollte nicht als Duldung verstanden werden, sondern vielmehr als
Angststarre. Geht einer Narkose die Untersuchung am wachen Tier voraus, ist
aufgrund einer verstärkten Katecholaminausschüttung des gestressten
Patienten von einem erhöhten Narkoserisiko auszugehen.
Der
Tierhalter sollte über die Notwendigkeit einer Narkose für die
Behandlung seines Tieres aufgeklärt werden, damit auch die damit
verbundenen höheren Kosten für die Behandlung verstanden und
akzeptiert werden.
Die
Zahndiagnostik und -behandlung bei Kaninchen und Nagern soll daher aus
folgenden Gründen in Narkose erfolgen:
- Die
Vermeidung von Stressreaktionen durch frühzeitigen Einsatz sedierender
bzw. anästhetischer Maßnahmen senkt das Narkoserisiko in erheblichem
Maße. Ohne sedierende bzw. anästhetische Maßnahmen entsteht
bereits bei der Untersuchung der Mundhöhle eine massive
Kreislaufbelastung, die zum Tod des Tieres führen kann. Das Narkoserisiko
steigt, wenn der Patient pränarkotisch gestresst wird und infolgedessen
höhere Dosierungen der Narkotika zur Erreichung derselben Narkosetiefe
angewendet werden müssen.
- Eine
Narkose vermeidet das Risiko abwehrbedingter Verletzungen. Dagegen kann es beim
wachen bzw. unvollständig narkotisierten Tier aufgrund plötzlicher
Abwehrbewegungen oder unvorhersehbarer Exzitationen zu massiver
Selbstverletzung kommen, wie z.B. in Form von Wirbel- oder Kieferfrakturen.
- Eine
komplette Diagnostik der Zähne und der Maulhöhle ist bei
Kleinsäugern nur unter Verwendung von Maul- und Wangenspreizern
möglich.
- Eine
umfassende Zahnbehandlung mit rotierenden oder scharfen Instrumenten ist aus
Sicherheitsgründen wie auch aus Gründen der Sorgfaltspflicht nur
unter Sedierung bzw. Narkose durchführbar.
- Eine
Narkose verringert die Behandlungsdauer und gestattet ein gefahrenärmeres
intraorales Arbeiten aufgrund unterbleibender Abwehrreaktionen.
- In Narkose
wird eine bessere Positionierung des Patienten für aussagekräftige
Röntgenaufnahmen des Schädels und der Zähne erzielt. Nicht
zuletzt wird der Strahlenschutz für den Untersuchenden verbessert, da auf
riskante Fixationsverfahren am unsedierten Kleinstpatienten verzichtet werden
kann.
Die Empfehlung
der DGT zur Zahnbehandlung bei Kaninchen und Nagern entstand in Zusammenarbeit
mit Spezialisten für kleine Heimtiere und Anaesthesiologie.
Dr. Markus Eickhoff 1.
Vorsitzender |
Dr. Gerhard Staudacher 2.
Vorsitzender |
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