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VERHALTEN
von KANINCHEN
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GESCHICHTE,
VERHALTEN und DOMESTIKATION
Hauskaninchen sind Abkömmlinge des
Europäischen Kaninchens (Oryctolagus cuniculus) aus Westeuropa (Iberische
Halbinsel) und Nord-West Afrika und werden als Haustiere seit dem frühen
16. Jahrhundert gehalten.
Viele Verhaltensweisen der Wildkaninchen
finden wir noch immer bei unseren Hauskaninchen. Kaninchen leben in einer
Kolonie in größeren Familienverbänden (=Sippen) mit mindestens
1 Männchen und bis zu 5 Weibchen in unterirdischen Wohnröhren oder
Bauten in sandigem, hügeligen Gelände. Diese Bauten sind weit
verzweigt und können bis zu 3 m tief und 45 m lang sein. Kaninchen
entfernen sich normalerweise selten aus der Geborgenheit ihrer Bauten, aber als
dämmerungs- und nachtaktive Tiere verlassen sie die Bauten bei Anbruch der
Dämmerung zur Futtersuche. Kaninchen leben in einer hochentwickelten
sozialen Hierarchie und haben sich als klassische Beutetiere zu Fluchttieren
entwickelt. Böcke sind sehr territorial und Weibchen verteidigen ihr
Nest höchst aggressiv. Schwangere Kaninchen graben ihre Satzröhren
abseits der Wohnröhren, denn die Böcke reagieren mitunter sehr
aggressiv auf den Nachwuchs und töten diesen sogar manchmal.
Obwohl Kaninchen schon mehr als 2000 Jahre domestiziert sind, wurde
ihrem Verhalten wenig Beachtung geschenkt. 1940 begann Southern mit der
Beobachtung von Wildkaninchen in England, indem er ihr Sexual- und
Aggressionsverhalten, später auch ihre Populationsdynamik, untersuchte.
Dann in den 50er Jahren initiierte die Australische Regierung ein umfangreiches
wissenschaftliches Forschungsprogramm, in dem das Reproduktions- und
Sozialverhalten der australischen Wildkaninchen intensiv erkundet wurde. Diese
Studien hatten zum Ziel, die wilde Kaninchenpopulation auszurotten, die sich
überentwickelt hatte und der Landwirtschaft des Staates großen
Schaden zufügte. Bis in die 90er Jahre waren Studien über
Kaninchenverhalten fast ausschließlich auf Wildkaninchen beschränkt.
Es gab nur sehr wenige Studien über das Verhalten von einzeln gehaltenen
Heimtierkaninchen. Diese zeigten jedoch, dass das Verhalten von Wildkaninchen
dem von Haustierkaninchen sehr ähnlich ist. Der Hauptunterschied im
Verhalten liegt in ihrem Umgang mit der Stallhaltung. Wildkaninchen sind nicht
angepasst an Stallhaltung. Hier scheitern Nachzuchten sehr oft und die Tiere
zeigen abnormale Verhaltensweisen, die in der Natur bei ihnen niemals
beobachtet werden. Andere wilde Lagomorpha (=Hasenartige) wie der Feldhase
können nicht domestiziert und erfolgversprechend in Ställen gehalten
werden. Daher sollte das Zähmen von Wildkaninchen erst gar nicht
versucht werden. Es führt nur selten zum Erfolg, aber ist sehr stressig
für die Tiere. Dagegen hat die Domestikation des Kaninchens zu Tieren
geführt, die an den Menschen gewöhnt sind, deren Stallhaltung die
Tiere nicht stresst, die aber in ihrem Verhaltensrepertoire überwiegend
mit ihren wilden Verwandten übereinstimmen. Selektive Zucht, auch mit
Hybriden, hat heute über 100 anerkannte Kaninchenrassen
hervorgebracht.
SINNE und VERHALTEN
SEHEN und
VERHALTEN
Kaninchenaugen sitzen seitlich. Ihre Hornhaut ist sehr
groß und ermöglicht einen sehr großen Rundumblick wie bei
allen grasenden Pflanzenfressern. Mit dieser Augenstellung kann jedoch nicht
die Gegend neben dem Maul eingesehen werden. Kaninchen mit Sehproblemen bewegen
ihren Kopf von Seite zu Seite oder von oben nach unten, um die Gegend in ihrer
Umgebung zu erkennen. Dieses Suchverhalten ist auffällig, wenn ein
sehbehindertes Kaninchen in einem Raum herumgetragen wird.
TASTSINN
und VERHALTEN
Die Lippen und die Tasthaare (=Vibrissen) neben dem
Maul sind sehr empfindlich und können beim Grasen sehr gut verschiedene
Futterbestandteile unterscheiden. Wegen dieser Empfindlichkeit und weil
Kaninchen Nasenatmer sind, mögen sie es nicht, an der Nase berührt
oder gehalten zu werden. Das sollte besonders bei der Eingabe von Medikamenten
beachtet werden. Kaninchen mögen kein Tätscheln ihrer
Nasenflügel, so wie man manchmal einen Hund begrüßt. Dabei
können sie sich sehr erschrecken. Weiterhin besitzen Kaninchen
Tasthaare über den Augen und um die Nase.
GEHÖR
und VERHALTEN
Kaninchenohren sind groß und gut durchblutet.
Sie erlauben die Ortung und Verstärkung von Geräuschen, ein scharfes
Gehör und eine gute Thermoregulation. Die Ohren bilden ca. 12% der
Körperoberfläche. Manchmal werden die Ohren in einem
ungewöhnlichen Winkel gehalten und das Tier schüttelt mit dem Kopf.
Es kratzt mit den Vorderbeinen an den Ohrmuscheln, wenn eine Infektion oder
Ohrmilbenbefall bestehen.
GERUCHSINN
und VERHALTEN
Duftmarkieren ist ein normales Kaninchenverhalten,
wobei die Duftdrüsen sowohl für andere Tiere als auch für
Gegenstände in der Umgebung zur Markierung gebraucht werden. Kaninchen
sind äußerst territorial und geben Duftsignale über den Urin
und durch spezialisierte Hautdrüsen ab, die über den ganzen
Körper verteilt liegen.
Die anatomische Lage und Morphologie
dieser Drüsen und das Verhalten, das die Ausschüttung des
Drüsensekrets auslöst, wurde aufgeklärt für Kinn-, Anal-,
Inguinal- und Hardersche Drüsen. Kinndrüsen, die spezialisierten
Unterkieferdrüsen mit Ausführungsgängen unterhalb des Kinns,
werden dazu benutzt, alle möglichen Einrichtungsgegenstände in der
Umgebung zu markieren.
Ein Paar von taschenförmigen Drüsen um
den After, die Inguinaldrüsen, und die um die Augen gelegenen Harderschen
Drüsen geben Pheromone ab, die für sexuelle Attraktivität bei
beiden Geschlechtern sorgt. Die Drüsengröße und die Stärke
der Markierung sind androgenabhängig und stehen im Verhältnis zur
Sexualaktivität.
Böcke markieren häufiger als
Häsinnen. Dominante Tiere beider Geschlechter markieren häufiger als
Rangniedere und meistens in deren Gegenwart.
Unter natürlichen
Bedingungen gewinnen Häsinnen und Böcke 2/3 aller aggressiven
Begegnungen, wenn sie von ihrem eigenen Geruch und dem ihrer Sippe umgeben
sind. Es wird vermutet, dass Drüsenmarkieren von einzelnen Tieren in einer
Gruppe zu einer Gruppenidentifikation führt.
Größere
fibröse Kotballen können Analdrüsensekret verbreiten.
Neben der zufälligen Verbreitung von Kotbällchen in ihrem
Wohnbereich, deponieren Kaninchen bewusst Kotkügelchen auf speziellen
"Misthaufen" oder "Latrinenplätzen". Man glaubt, Latrinenpflege dient
verschiedenen Aufgaben. Zum einen hat die Erinnerung an eigene oder
familiäre Gerüche einen vertrauensbildenden Effekt. Zum anderen
lässt die Strenge des Geruchs einen Eindringling wissen, dass der Ort
schon besetzt ist. Latrinen sind indirekter Austauschort von
Geruchsinformationen unter den Mitgliedern derselben sozialen Gruppierung und
steuern die Regulation der Populationsdichte, indem sie die Vermehrung von
sozial niedriger gestellten Tieren verhindern.
Weibliche Kaninchen
markieren ihre Jungen mit Kinn- und Inguinaldrüsensekret. Gegenüber
fremden Jungen benehmen sie sich feindlich. Die Weibchen sind normalerweise
unfreundlich gegenüber anderen Jungtieren der eigenen Kolonie, aber
verfolgen und töten Jungtiere aus einer anderen Kolonie sofort. Eigene
Jungtiere, die mit Drüsensekret fremder Tiere markiert wurden, wurden von
der eigenen Mutter attackiert und getötet. Jungtiere, die nicht wie der
Rest des Wurfes riechen, werden zumindest verstoßen. Eine erfolgreiche
Aufzucht untergelegter Jungtiere erfordert nicht nur gesunde und saugstarke
Junge, sondern ein Überdecken des Geruchs durch Einreiben mit Nistmaterial
und ein Einsetzen unter die fremden Wurfgeschwister.
Die Anwendung von
Geruchsreizen während der Paarung und Säugephase wird von
Kaninchenzüchtern erfolgreich zu Zuchtleistungs- und Ertragssteigerung
genutzt. Die Vermehrungsrate zu steigern unter Verwendung des Sozial-Geruches,
ist nur ein Teil des Repertoires, das Kaninchen beim Duftmarkieren gebrauchen.
Ein hauptsächlicher anderer Teil normalen Verhaltens besteht darin, ein
"optimales Geruchsfeld" zu erhalten.
MITTEILUNGSVERHALTEN
Als hochintelligente Tierart kennen sich
Kaninchen in ihrer Umgebung sehr gut aus. Sie fangen sehr bald an zu spielen
und herumzutoben, mit anderen Kaninchen wie auch mit Menschen. Es konnte
bewiesen werden, dass Kaninchen sich an andere Kaninchen und auch an
verschiedene Leute sehr gut erinnern können.
Taube Kaninchen
können auf Handzeichen ihrer Besitzer reagieren.
Kaninchen sind
normalerweise stille Tiere, aber gelegentlich geben sie auch Laute von sich.
Ein hochgezogenes wiederholtes Schreien drückt panische Angst oder
Schmerzen aus. Diese Geräusch ähnelt Baby-Schreien.
Angst
kann auch ohne Lautgebung ausgedrückt werden. Hierbei nimmt das Tier eine
starre, geduckte Haltung an, wobei die Füße unter dem Körper
platziert, der Kopf ausgestreckt und die Ohren an den Kopf angelegt werden. Die
Augen scheinen aus ihren Höhlen hervorzuquellen. Grunzen, Knurren und
Schnauben werden von Kaninchen manchmal benutzt, um Ärger oder
Belästigung anzuzeigen. Häufig sind das Kaninchen, die ihr Revier
behüten oder hormonell beeinflusst sind. Gelegentlich werden hupende
Quieklaute ausgestoßen, um Futter oder Aufmerksamkeit zu erlangen. Dies
Geräusch wird auch bei der Balz bemerkt. Ein lautes kreischendes
Geräusch kann wahrgenommen werden, wenn Tiere hochgenommen werden und sich
darüber ärgern. Ein wachsames Kaninchen hält die Ohren
vorwärts gerichtet oder seitlich ausgestreckt. Zurückgezogene Ohren
zeigen eine bedrohliche Situation an. Ein hochgestellter Schwanz bedeutet
Aufregung, Erwartung oder Bedrohung. Schwanzwedeln kann man bei der Balz
beobachten, häufig von Urinspritzen des Rammlers begleitet. Wenn ein
Kaninchen um Streicheleinheiten bettelt, nimmt es eine Demutshaltung an, indem
es die Füße unter den Körper stellt, den Kopf ausstreckt und
das Kinn auf den Boden legt. Kaninchen können ihren Pfleger belecken als
Form der Sozialpflege und Zuneigung. Zwicken ist nicht immer ein Ausdruck von
Ärger, sondern kann auch das Begehren andeuten, dass das Tier vom Arm zu
einem anderen Tier oder Menschen zu lassen. Wenn ein Kaninchen zu stark zwickt,
sollte der Halter sofort einen hohen Schrei ausstoßen, um das Verhalten
zu unterbinden. So machen das auch Wurfgeschwister, wenn ein Tier beim Spielen
zu ruppig wird. Kaninchen "trommeln", indem sie mit den Hinterläufen
auf den Boden stampfen, wenn sie wütend sind oder um andere Kaninchen zu
warnen. Häufig sind geweitete Pupillen Begleitsymptome. Diese Tiere sind
auf der Suche nach einem Zufluchtsort. Wenn andere Tiere das Trommeln
hören, verhalten sie sich ganz still. Kaninchen können eine
aufrecht angespannte Position mit ausgestrecktem Schwanz und
zurückgezogenen Ohren annehmen, die eine Bereitschaft zum Angriff
signalisiert. Diese Kaninchen können nach oben und nach hinten treten,
wenn es zum Kampf kommt. Ein kurzes bellendes Knurren, ein Zischen oder ein
wütendes Schnauben zeigen Kampfstimmung an und wird häufig bemerkt
bei "Grunzen-Anspringen-Beißen" Sequenzen. Pfleger sollten mit solchen
Kaninchen sehr vorsichtig umgehen, da ein aggressives Kaninchen sehr
streitsüchtig sein kann, und seinen Pfleger durch Anspringen, Treten,
Beißen oder Kratzen erheblich verletzen kann, sich aber auch selbst
schwer verletzen kann, wenn es versucht, sich dem Eingreifen des Pflegers zu
widersetzen. Ein tiefes Brummen oder ein Klappern mit den Zähnen
können Freude oder Zufriedenheit ausdrücken. Von Kaninchenlaien
werden diese Laute häufig als "Zähneschnurren" interpretiert und
können sehr laut sein. Während dieses "Schnurrens" vibrieren die
Zähne leicht und schnell während die Tasthaare zittern. Wirkliches
Zähneknirschen (=Bruxismus) zeichnet sich durch ein langsames, lautes
knirschendes Kauen aus, und ist häufig von aus den Höhlen tretenden
Augen (=Exophtalmus) begleitet. Bruxismus wird bei Kaninchen mit Unwohlsein,
Schmerzen oder Krankheit, insbesondere bei Magen-Darmschmerzen
beobachtet.
Im übrigen können manche Kaninchen, ähnlich
wie auch Menschen oder andere Tiere, "gesprächiger" sein als andere.
Neukaninchenbesitzer präsentieren solche "gesprächigen" Lieblinge
oftmals dem Tierarzt mit Keuchen und Schniefen. Diese Laute können aber
von den Erkrankungen der oberen Atemwege unterschieden werden, da sie nur
zeitweise und stimuliert durch den Umgang mit dem Kaninchen auftreten. Um
ihre Präsens zu kommunizieren, markieren unkastrierte Böcke ihr
Territorium, indem sie an den Reviergrenzen stark riechenden Kot deponieren.
Kaninchen markieren auch mit Urin und mittels ihrer Kinndrüse. Sie reiben
diese Duftdrüse unterhalb ihres Kinns an Möbeln, Teppichen und
anderen Gegenständen und markieren so mit streng riechendem
Drüsensekret. Die chemische Zusammensetzung des Kinndrüsensekrets
umfasst 34 flüchtige Komponenten, primär aromatische und aliphatische
Kohlenwasserstoffe, die sich bei Tieren von unterschiedlich geographischer
Herkunft unterscheiden. Das Kinndrüsenmarkierverhalten ist bei
Weibchen früher ausgeprägt als bei Böcken. Mit der
Körperentwicklung wegen des Anstiegs der Sexualhormonausschüttung
wächst auch die Häufigkeit dieses Markierens. Tragende und
scheinschwangere Weibchen markieren weniger als Weibchen, die in einem anderen
Teil des Sexualzyklus sind. Bei Wildkaninchen hilft die
Kinndrüsensekretion bei der Aufrechthaltung der Hierarchie. Dominante
Tiere haben in ihrem Drüsensekret zusätzlich 2-Phenoxyäthanol,
das dazu beiträgt, den Geruch länger an markierten Stellen haften zu
lassen.
SOZIALES
und ANTISOZIALES VERHALTEN
Kaninchen sind die einzigen
"Hasenartigen", die in stabilen Gruppen oder Sippen leben, manchmal bis zu
einigen hundert Tieren. Dieses natürliche Sozialverhalten ging durch die
Domestikation nicht verloren, und so fühlen sie sich wohler zu zweit oder
zu dritt, anstatt in Einzelhaltung. Unglücklicherweise wurde dieser Aspekt
ihrer Sozialbiologie von Wissenschaftlern und Haltern bis in die 90er Jahre
nicht beachtet. Der Grund lag in der Entwicklung von Verpaarungstechniken zur
Zucht von Hauskaninchen. Diese verlangten eine gute Kontrolle von
Infektionskrankheiten, und weil sich Infektionskrankheiten durch Kontakt
ausbreiten, wurden die Kaninchen in Einzelställen alleine gehalten. Mit
der Entwicklung von spezifisch pathogenfreien Laborkaninchen und der damit
verbundenen Freiheit von infektiösen Kaninchenkrankheiten, verlor die
Isolation von einzelnen Kaninchen an Bedeutung. Ein anderer Grund zur
Einzelhaltung lag in der Annahme, dass die klassische Einzelstallhaltung die
besten Wachstumsraten bescheren würde. Jedoch zeigten kritische Analysen
vom Wachstum von in Einzelhaltung lebenden Kaninchen, dass diese Tiere
wesentlich mehr Fett in der Bauchhöhle, eine abnormale Muskel- und
Skelettentwicklung in Verbindung mit eingeschränkter Beweglichkeit hatten.
Des weiteren fand man immer häufiger Körperschäden durch
nervöses Verhalten im Zusammenhang mit dieser Haltungsform.
Bei in
Käfigen gehaltenen Kaninchen wird wiederholt abnormales Verhalten gesehen.
Dazu gehören: Scharren in den Käfigecken, Gitterbeißen,
übermäßiges Putzen, übermäßiges Fressen und
Spielen mit dem Trinkwasser. Studien haben bewiesen, dass Kaninchen, die in
kleinen sozialen Gruppen gehalten wurden, Verhalten zeigten, das wachsende
Bewegung, sozialen Kontakt und reges Interesse an
Käfigeinrichtungsgegenständen einschloss. Kaninchen lieben
freundschaftliche Aktivitäten wie Zusammenliegen, sich Putzen und mit der
Nase stupsen. Kaninchen, die sich von ihrer Gruppe absondern, sollten auf
Krankheiten überprüft werden. Rangniedrige Kaninchen haben eine
höhere Herzfrequenz als höherrangige Tiere. Steigen diese Tiere in
eine dominantere Position auf, so sinkt ihre Herzfrequenz auf ein niedrigeres
Level. Als Rangordnungsverhalten besteigen Kaninchen einander, um Dominanz
zu zeigen. Oft haben sie dabei den Kopf des rangniederen Tieres im Wesir.
Dieses Verhalten wird ohne Rücksicht auf das Geschlecht des
ranghöheren oder rangniederen Tieres und des kastrierten oder
unkastrierten Tieres präsentiert. Kaninchen, die in der ersten Woche
nach der Geburt immer wieder berührt wurden, zeigen später weniger
Furcht vor dem Menschen als solche, die keinen Menschenkontakt zu dieser Zeit
hatten. Aggression unter pubertierenden jungen Böcken macht deren
Gruppenhaltung in Ställen unmöglich. Ein Fluchtweg für ein
Männchen ist nicht vorhanden, und ernste Verletzungen unter den Kaninchen
sind die Folge, wenn die Tiere nicht getrennt werden. Die Aggression unter
jungen zusammengehaltenen Weibchen ist dagegen nur gering. Aggressives
Verhalten zeigen Weibchen, die jung in Einzelhaltung aufgewachsen sind, und
dann später mit anderen Weibchen vergesellschaftet werden. Hier gilt
analog das für die Gruppenhaltung von Böcken Gesagte. Will man ein
Kaninchen mit einem neuen Tier vergesellschaften, sollte das langsam und sehr
sorgfältig geschehen. Niemals sollte das Kindern allein überlassen
werden, sondern nur unter Aufsicht eines Erwachsenen. Die Erwachsenen sollten
darauf vorbereitet sein, die Kaninchen zu trennen, wenn sie miteinander
kämpfen. Manche Besitzer benutzen schwere Lederhandschuhe, damit sie
besser vor Bissen der Kaninchen geschützt sind, wenn sie zwei
kämpfende Kaninchen voneinander trennen müssen. Wie auch bei
vielen anderen Tierarten werden Vergesellschaftungen am besten auf neutralem
Territorium vorgenommen. Hier fühlt sich keines der Kaninchen zu
hause. Eine saubere, trockene Badewanne kann gut benutzt werden. Sie ist
ungewohnt und etwas rutschig, und somit eine Herausforderung für die
Tiere. Um sie etwas abzulenken kann Grünfutter und Heu gereicht
werden. Die Vergesellschaftung kann auch klappen, wenn man die beiden Tiere
in eine Tragebox sperrt und eine längere Autofahrt mit ihnen unternimmt.
In dieser fremden Umgebung will es sich jedes Tier lieber bequem machen als zu
kämpfen. Der Vergesellschaftungsprozess benötigt Zeit und Geduld.
Diese Ziel kann jedoch gut erreicht werden, da Kaninchen natürlicherweise
hochsoziale Tiere sind. Dass die Vergesellschaftung zweier Kaninchen
geklappt hat, beweisen deren gegenseitiges Putzen, Nase zu Nase-, Nase zu
Körper- und Ganzkörperkontakte. Ähnlich wie beim Menschen
gibt es aber auch Tiere, die einfach nicht miteinander leben wollen und
können. Bei diesen dann einzeln gehaltenen Tieren dürfen die
Käfige nicht zu nah aneinander stehen, denn Kaninchen können sich
auch durch Käfiggitter schwer verletzen.
Junge Kaninchen
können aggressiv und destruktiv werden, wenn sie geschlechtsreif werden.
Im Alter von 3 - 4 Monaten werden weibliche Kaninchen häufig aggressiver
gegen Menschen, andere Kaninchen oder andere Tiere. Sie zeigen dann intensive
Gemütswallungen und bespringen ihre Kameraden, spritzen Harn und beginnen,
zu graben und ein Nest zu bauen. Böcke werden etwas später im Alter
von 4 - 5 Monaten ebenfalls aggressiver und spritzen Harn und besteigen auch
Gegenstände, Halter und andere Tiere. Beide Geschlechter, die zuvor
gewöhnt waren, ihren Harn und Kot in einer Toilette abzusetzen, fangen an
Kot und Urin in der Gegend herum abzusetzen, um ihr Territorium zu markieren.
Dieses Verhalten kann verhindert werden, indem die Tiere möglichst schon
vor Beginn der Geschlechtsreife kastriert werden. Mit Zeit und Geduld
können Kaninchen sich auch mit anderen Tieren, Katzen, Vögeln,
Meerschweinchen und Hunden anfreunden. Beispielsweise zeigen Kaninchen keine
Angst vor Katzen, wenn sie vor dem Entwöhnungsalter mit diesen
zusammengebracht werden. Da aber Instinkt bei allen Tieren eine treibende Kraft
ist, sollten solche Zusammentreffen niemals unüberwacht stattfinden. Jedes
Anzeichen von Aggression ist ein Anzeichen dafür, dass die Raubtierart
(Hund oder Katze) und die Beutetierart (Kaninchen oder Meerschweinchen) nicht
miteinander auskommen können, und dann sollte jede Annäherung
zwischen beiden vermieden werden. Obwohl sie manchmal gut miteinander
harmonieren, sollten Kaninchen nicht mit Meerschweinchen gehalten werden.
(Siehe dazu Gemeinschaftshaltung von Kaninchen und
Meerschweinchen!). Kaninchen beherbergen häufig die Bakterien
"Bordetella bronchiseptica", ohne krank zu sein, Meerschweinchen können
dagegen durch diese Bakterien schwer an einer Lungenentzündung erkranken.
Dagegen können Meerschweinchen "Pasteurellen" beherbergen und Kaninchen
damit anstecken.
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FORTPFLANZUNGSVERHALTEN
Das Erreichen der Geschlechtsreife ist mehr
eine Frage der Größe als des Alters. So erreichen kleine Rassen die
Geschlechtsreife mit ungefähr 4 - 5 Monaten, mittlere Rassen mit
ungefähr 4 - 6 Monaten und große Rassen mit 5 - 8 Monaten. Generell
sind Weibchen früher geschlechtsreif als Böcke.
GESCHLECHTSVERHALTEN von MÄNNLICHEN KANINCHEN
Das
Geschlechtsverhalten von männlichen Kaninchen umfasst das Harnspritzen und
das Markieren von Objekten mit der Kinndrüse. Die Böcke
schnüffeln an der Häsin, belecken sie, stupsen sie mit der Nase,
putzen sie und folgen ihr mit wedelndem aufgestellten Schwanz. Das Bespritzen
des Weibchens mit einem Strahl Urin ist ein Teil des Balzverhaltens. Weiterhin
besteigen oder bespringen Männchen Gegenstände, andere Tiere oder
Menschen. Ferner umkreisen sie die Häsin oder ein anderes "Objekt der
Begierde" und geben hupende Geräusche von sich.
Männchen
zeigen in der Gegenwart von unvertrauten Weibchen ihr Geschlechtsverhalten ohne
Rücksicht, ob das Weibchen empfangsbereit ist oder nicht. Wenn das
Weibchen empfängnisbereit ist, geht die Paarung schnell vonstatten. Das
Männchen beißt sich im Nackenfell des Weibchens fest, und ejakuliert
kurz nach dem Eindringen. Wenn die Paarung abgeschlossen ist, fällt der
Bock auf den Rücken oder die Seite und stößt einen scharfen
Schrei aus.
Männchen können an der Fürsorge für die
Jungen teilnehmen.
Kastrierte männliche Tiere lassen sich besser
als Haustiere halten, da sie weniger territorial sind und seltener Harnspritzen
und Kotmarkieren. Kastraten kämpfen auch seltener mit anderen
Kaninchen.
Verhaltensänderungen, die durch den abnehmenden
Hormoneinfluss zustande kommen, zeigen sich etwa 30 Tage nach der Kastration.
Es ist bewiesen, dass Böcke mit Deckerfahrung ihr Sexualverhalten
inklusive des Aufreitens noch bis zu 10 Wochen nach der Kastration beibehalten
können. Bei großen Rassen kann es durchaus vorkommen, dass 6 Monaten
vergehen bis das negative Sexualverhalten abnimmt.
Männchen
können noch für eine gewisse Zeit lebensfähige Spermien
speichern nach der Kastration. Daher ist es ratsam, sie wenigstens 4 - 6 Wochen
von unkastrierten, geschlechtsreifen Weibchen fernzuhalten, wenn kein Nachwuchs
gewünscht wird.
GESCHLECHTSVERHALTEN von WEIBLICHEN KANINCHEN
Wildkaninchen
paaren sich normalerweise polygam, wobei sich ein Weibchen mit verschiedenen
Männchen paart, welche sich wiederum mit verschiedenen Weibchen paaren.
Die Böcke versuchen jedoch, spezielle Weibchen nur für sich zu
gewinnen. Der Östruszyklus von Kaninchen variiert von 4 - 17 Tagen,
wenn es zu keinem Deckakt kommt. Der Deckakt induziert die Ovulation. Die
Tragzeit dauert 29 - 35 Tage. Der Wurf besteht aus 4 - 10 Jungen. Die Weibchen
besitzen 3 - 5 paarige Brustdrüsen, die sich kurz vor dem Werfen
vergrößern.
Sexuell gesteuerte Verhaltensweisen können
bei dem Zusetzen eines Weibchens in den Käfig eines Männchens
beobachtet werden. Empfängnisbereite Weibchen legen sich flach auf den
Boden oder beginnen um das Männchen zu kreisen. Andere Verhaltensweisen
des empfängnisbereiten Weibchens sind Hyperaktivität (außer
wenn sie vom Männchen bestiegen wird!) und eine Lordose. Eine Lordose wird
gebildet, wenn Druck auf den Rücken ausgeübt wird, so wie beim
Besteigen durch das Männchen, und der Rücken durchgedrückt wird
und das Becken hochgestellt wird, um dem Bock die Scham zu
präsentieren. Das ruhelose Weibchen zeigt wachsendes Interesse an
anderen Kaninchen und reibt ihr Kinn über Einrichtungsgegenstände.
Die Vulva schwillt an, wird feucht und färbt sich tiefdunkel
purpurrot. Weibchen scheinen besser aufzunehmen, wenn der Progesteronspiegel
niedrig ist. Häsinnen, die nicht empfängnisbereit sind, laufen vor
dem Bock weg oder treiben ihn in die Ecken des Käfigs, beißen und
geben Laute von sich. Kaninchen haben eine induzierte Ovulation etwa 10 -
13 Stunden nach dem Deckakt. Wenn tragende Häsinnen gestresst werden durch
Überpopulation, Raubtiere oder Krankheiten, so können sie etwa zur
Hälfte der Trächtigkeit ihre Früchte resorbieren. In diesem Fall
setzt die Milchbildung trotzdem ein und sie kommt wieder zu der Zeit in den
Östrus, als wenn sie geworfen hätte. Weibliche Kaninchen werden
beobachtet, wie sie andere Kaninchen beider Geschlechter als Zeichen der
Dominanz besteigen. Weibliche Kaninchen werden aggressiver, sondern sich
mehr ab und sind territorialer, wenn sie geschlechtsreif sind. Selbst
gegenüber ihrem Pfleger agieren sie aggressiv und reizbar. Eine Kastration
hilft in diesen Fällen, die Aggressivität und die
Markierungstendenzen einzudämmen, und ein besseres Verhältnis
zwischen Kaninchen und seinem Besitzer herzustellen.
Scheinschwangerschaften sind bei unkastrierten Kaninchen sehr
häufig. Ovulationen ohne Befruchtung können manchmal
ausgelöst werden, wenn die Häsin in der Nähe eines
Männchens ist, wenn die Vagina mechanisch stimuliert wird, oder wenn
andere Weibchen diese Häsin besteigen. Viele der Verhaltensweisen, die
Häsinnen während der Schwangerschaft zeigen, werden auch bei
Scheinschwangerschaften beobachtet. So beispielsweise das Rupfen von Fell aus
der Wammengegend am Hals und aus der Bauchgegend zum Nestbau,
Brustdrüsenvergrößerung und Milchproduktion. Die
Scheinschwangerschaft dauert gewöhnlich etwa 17 Tage an und hört
spontan auf. Sie kommt häufig wieder und macht Kaninchen empfänglich
für Hydro- und Pyometra. Tiere mit wiederholten Scheinschwangerschaften
sollten daher prophylaktisch kastriert werden. Während der letzten 2/3
der Trächtigkeit nimmt die Körpertemperatur der Häsin ab.
Nestbau geschieht wenige Tage bis zu wenigen Stunden vor der Geburt, und die
Häsinnen polstern das Nest mit eigenen Körperhaaren von Hals, Bauch
und Flanken aus. Die Futteraufnahme wird in den letzten 48 Stunden vor der
Geburt eingeschränkt. Der Nestbau wird hormonell reguliert, wenngleich
mütterliches Verhalten hauptsächlich durch die Gegenwart der Jungen
stimuliert wird. Das Gebären geschieht meistens in den Morgenstunde.
Eine unkomplizierte Geburt ist normalerweise innerhalb von 30 Minuten
abgeschlossen. Es ist nichts ungewöhnliches, wenn sich die Feten bei der
Geburt in Hinterend- oder Gesichtslage befinden. Jegliche Wehentätigkeit
ohne Geburt eines Jungen nach 30 Minuten erfordert sofortiges
tierärztliches Eingreifen. Erstgebärende und Häsinnen von
Zwergrassen haben normalerweise kleinere Würfe von 4 - 5 Tieren,
während große Rassen 8 - 12 Junge gebären. Kaninchen fressen
die Plazenta auf. Kaninchenmütter säugen ihre Jungen nur sehr kurz,
weniger als 4 Minuten morgens oder abends. Den Rest der Zeit verbringen sie
außerhalb des Nestes. Dieses nur begrenzte Säugen verführt
viele Beobachter von Wildkaninchen, zu denken, die Kaninchenmutter habe ihre
Jungen verlassen. Daher sollte man beim Finden eines Wildkaninchennests daran
denken, dass die Mutter in der Nähe sitzen kann. Die Gegenwart der
frischen Jungen stimuliert die Milchbildung bei der Mutter. Dagegen wird die
Milchproduktion durch die Anwesenheit von älteren Jungtieren
gehemmt. Weibchen erkennen ihre Jungen an ihrem Geruch. Deodecylpropionat,
welches Bestandteil der kindlichen Perinealdrüsen ist, stimuliert das
Anallecken der Jungen durch die Mutter. Wie zuvor schon beschrieben, nehmen
Kaninchenmütter keine fremden Jungen an, außer dass diese mit dem
Geruch des Wurfes und der Einstreu eingerieben wurden. Drüsen in der
Nähe der Brustwarze produzieren ein Pheromon, das die Jungen anzieht.
Kaninchen über 2 Jahre haben eine sehr hohe Rate an Zubildungen im
Geschlechtsapparat, insbesondere an Gebärmutteradenokarzinomen. Klinische
Anzeichen sind Blut im Urin, blutig-schmieriger Vaginalausfluss, eine zystische
Mastitis und Aggressivität. Häufig wird am Ende des Harnabsatzes Blut
gefunden. Auch Brusttumore sind nicht selten anzutreffen. Weibliche Kaninchen
sollten daher mit ca. 6 Monaten prophylaktisch kastriert oder
ovariohysterektomiert werden. In diesem Alter sind sie bessere chirurgische
Kandidaten als ältere Tiere, die möglicherweise schon Krankheiten in
sich tragen. Ältere gesunde Weibchen sollten ovariohysterektomiert
werden, weil frühe Erkrankungen des Geschlechtsapparates noch nicht in
Erscheinung getreten sind. Gebärmutteradenokarzinome wachsen relativ
langsam, und so können diese Tumore durch eine Ovariohysterektomie
entfernt werden, ehe sie metastasieren.
NEUGEBORENEN
und JUGENDVERHALTEN
Neugeborene Junge sind unfähig, zu stehen
und ihren Platz zu verlassen. Sie sind haarlos, haben geschlossene Augen und
brauchen anogenitale Stimulation, um Kot und Urin auszuscheiden. Die
Säuglinge konkurrieren sehr stark, um an Milch zu kommen und können
vom Tod eines Wurfgeschwisters profitieren. Sie reagieren sehr empfindlich auf
Unterkühlung, und weil die Mutter den Großteil des Tages nicht im
Nest ist, haben einzeln aufgezogene Junge wegen der niedrigeren
Körpertemperatur nur geringe Chancen zu überleben. Die Jungen
kuscheln sich im Nest in den ersten 10 Lebenstagen aneinander, um sich warm zu
halten, bis das Fell zu wachsen beginnt. Bei Wildkaninchen liegt die Sterberate
bis zum Erreichen des 1. Lebensjahres bei 90%. Für Säuglinge sind
Placenta und Kolostrum gleich attraktiv und man glaubt, dass der Milieuwechsel
vom Fetus zum Neugeborenen den Tieren ermöglicht, Kolostrum und Milch
sofort zu bekommen. Ferner sind sie imstande, auf Pheromonausschüttung hin
auf Brustwarzensuche zu gehen. Sie zeigen dieses Verhalten, auch wenn sie durch
Kaiserschnitt geboren wurden. Wenn auch das Stillen etabliert ist, so ist doch
die Mundhöhlenstimulation in Verbindung mit Saugen ein wichtiger
Verstärker dieses Verhaltens, besonders wenn ein neuer Geruch oder
Geschmack dazukommt. Experimentell konnte festgestellt werden, dass
Kaninchensäuglinge während des Brustwarzensuchverhaltens Weibchen,
die in einer frühen Laktationsphase sind, bevorzugen. Bis zum 7. Tag nach
der Geburt nehmen sie bis zu 30% ihres Köpergewichts täglich durch
die Fütterung zu sich. Am 19. Tag nach Laktationsbeginn nimmt die
Milchmenge der Mutter ab. Mit ungefähr 3 Wochen fangen die Jungen an, das
Nest zu verlassen und feste Nahrung aufzunehmen. Mit 42 Tagen sind sie meistens
entwöhnt. Zu diesem Zeitpunkt ist es für die Jungen weniger stressig,
wenn sie im gewöhnten Käfig bleiben und man die Mutter entfernt.
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FRESSVERHALTEN
Wildkaninchen sind wählerische Pflanzenfresser,
die weichere Pflanzenteile bevorzugen, aber auch kleinere Mengen Raufutter als
Ballaststoffe aufnehmen, um die Magen-Darm Motilität zu unterstützen.
Das Gebiss der Kaninchen erlaubt, die Pflanzen mit den Schneidezähnen
abzuschneiden, und mit den Backenzähnen zu zermahlen. Das Futter wird
sorgfältig durchgekaut durch seitliche Bewegung der Kiefer, durch
hochorganisierte Zungenbewegungen und mit bis zu 120 Kieferbewegungen in der
Minute. Hauskaninchen sollen häufig Fressen und Koten, und das
ununterbrochen ganztags. Obwohl die domestizierten Kaninchen tagaktiv sind,
fressen sie meistens im Zwielicht des Morgengrauens und der
Abenddämmerung. Kaninchen brauchen immer geeignetes Futter und man
sollte genau beobachten, was gerade aktuell von dem gefressen wird, was alles
angeboten wird. Ein hoher Anteil rohfaserhaltigen Futters stimuliert die
Blinddarm-Enddarm Beweglichkeit durch das Schaben an der Darmwand und den
Dehneffekt der Futtermasse. Rohfaser macht einen gitterartigen Futterball
im Magen, der das Durchdringen von Magensäuren erlaubt. Kaninchen, die
dagegen wenig rohfaserhaltiges Futter aufnehmen, sind prädisponiert
für Hypomotilität (= Magen und Darm befördern Futterbestandteile
zu langsam oder gar nicht) und reduzierter Futteraufnahme. Häufig kann
eine harte Masse von Futterbestandteilen nicht von Magensäuren zersetzt
werden und führt dann im Zusammenhang mit abnehmender Trinkwasseraufnahme
zu Verstopfungen am Magenausgang. Als Pflanzenfresser sollten Kaninchen nur
mit grünblättrigem Gemüse, Heu ad libitum (= soviel sie wollen)
und maximal 1 Teelöffel Pellets täglich gefüttert werden. Junge
Kaninchen sollten eine kleine Menge Luzerne Pellets, Luzerne Heu und
Gemüse erhalten. Luzerne Heu und Pellets, sowie Heu von
Hülsenfrüchten sollte erwachsenen Kaninchen nicht gefüttert
werden, da diese Futtermittel zu hoch an Protein und Kalzium sind, und damit
das Entstehen von Blasensteinen und/oder Hyperkalziurie (= Kalziumkarbonat
Schlamm in der Blase) provozieren. Luzerne Heu enthält weniger Rohfaser
als Heu von Gräsern wie Timothy, Brome oder Prärie Gras. Diese
Gräser sollten erwachsenen Kaninchen den ganzen Tag über zur freien
Auswahl angeboten werden. 2 x täglich, morgens und abends, wenn
Kaninchen am aktivsten sind, sollte eine Auswahl grünblättriger
Gemüse angeboten werden. Diese Gemüse sind: Kohlrabi, Brokkoli,
Endivien Salat, Löwenzahnblätter und -blühten, Möhren und
Möhrengrün, Senfgrün, Petersilie, Koriander, Kaiserschoten,
Römersalat (nicht Iceberg- oder Kopfsalat), grün- und
rotblättriger Salat, Brunnenkresse, Chinakohl, Sellerie, Klee. In kleinen
Mengen kann auch gelegentlich Spinat und Grünkohl gefüttert werden,
genauso wie Früchte, z.B. Äpfel, Erdbeeren, Melonen, Pfirsiche und
Birnen, wenn der Kot davon nicht weich wird.
Grasheu Pellets sollten bei
der Verfütterung an erwachsene Kaninchen der Vorzug vor Luzerneheu Pellets
gegeben werden. Erwachsene Kaninchen, die wie gefordert frisches Grasheu und
Grünfutter zum Fressen erhalten, sollten pro Kilogramm Körpergewicht
maximal 1 Esslöffel Pellets gereicht werden. Bei übergewichtigen
Tieren, solchen mit chronischem Durchfall oder klumpendem Kot sollte auf eine
Pelletgabe ganz verzichtet werden. Fettsucht, wie im übrigen auch bei
anderen Haustieren, ist bei Hauskaninchen zur Regel geworden, besonders bei
denen, die freie Auswahl an Pellets zum Fressen haben, weil Pellets hoch
konzentriert und rohfaserarm sind. Diese so ernährten Kaninchen haben
häufig weichen Kot und Durchfall, weil eine rohfaserarme Kost die
Darmperistaltik verringert, die Magen-Darm Passagezeit verlängert, und
damit krankmachenden Bakterien mehr Zeit zur Entwicklung
lässt. Kaninchen sind sehr sozial und lernen leicht, zu den Mahlzeiten
den Halter um Fressen anzubetteln. Sie erhalten dann häufig Essen vom
Tisch, welches völlig ungeeignet für sie sind. Futter, welches
kohlenhydratreich ist oder viel Zucker enthält, sollte nie verfüttert
werden. Wenn die hinteren Darmabschnitte mit Kohlenhydraten überladen
werden, wächst das Risiko einer Enterotoxämie (= akute Vergiftung
durch den Darm aufgrund von Toxinwirkung von Bakterien). Das
Kohlenhydratnebenprodukt Glucose wird von Bakterien der Art Clostridium zur
Bildung von Iota Toxin verwendet. Kaustangen mit Honig und
Getreidekörnern, Schokolade, Brot, Müsli, Cornflakes, Hafer, Mais
oder Popcorn, Cracker, Plätzchen, Pasta, Kartoffelschalen, Chips, Yoghurt
Drops und andere offensichtlich zuckerhaltige Speisen und Leckereien sollten
nie! gefüttert werden. Als Leckerchen zu besondere Gelegenheiten sollten
grünes Blattgemüse oder kleine Stücke von Äpfeln oder
Möhren handgefüttert werden. Heimtierfutter und Nagermischfutter
mit Getreidekörnern, getrocknetem Gemüse und bunten Additiven sollten
vermieden werden. Die Kaninchen nehmen hier nur die geschmacklich favorisierten
Anteile des Futters und lassen die ernährungsphysiologisch
vernünftigen zurück. Diese Mischfutter zu füttern, führt zu
Mangelernährung, Fettsucht und Magen-Darm Problemen. Futter- und
Wasserbehälter sollten täglich gesäubert werden und wenigstens
einmal wöchentlich komplett mit heißem Seifenwasser gewaschen
werden. Vitamine sollten nicht ins Trinkwasser gegeben werden, da sie das
Wasser verfärben und seinen Geschmack verändern können. Das kann
dazu führen, dass das Kaninchen weniger trinkt, als es sollte.
Wasserzusätze erleichtern die Bildung eines Bakterienschmierfilms an der
Innenseite der Wasserflasche oder des Wassernapfes und machen eine
tägliche Reinigung mit heißem Seifenwasser notwendig. Kaninchen
trinken 50 bis 150 ml pro Kilogramm täglich. Das ist mehr als die meisten
anderen Tiere. Das muss bei einer Infusionstherapie beim Kaninchen bei einer
Rehydrierung beachtet werden, da reichen die Infusionsmengen, die bei Hund und
Katze gegeben werden, nicht aus. Polydipsie (=vermehrte Wasseraufnahme) kommt
vor, wenn das Kaninchen nicht an sein Futter kommt, oder bei Nierenkrankheiten.
Bei Entzug von Wasser magern die Tier ab. Der Wasserverbrauch nimmt ab, wenn
die Fütterung von frischem grünen Gemüse ansteigt. Es ist also
für den Tierarzt wichtig, wenn ein Kaninchen krank vorgestellt wird, zu
erfahren, wie die Wasseraufnahme und die Wasserversorgung sind.
Gesundheitliche Probleme können sich im Wechsel von Fressgewohnheiten,
einer geringeren Futteraufnahme, Absetzen von weniger und kleineren
Kotbällchen, im Wühlen im Futter und an diesem Interesse haben, es
aber nicht fressen, durch vermehrtes Speicheln oder Zähneknirschen
bemerkbar machen. Gewichtsabnahme mit vermindertem oder gar keinem Kotabsatz
sind immer tiermedizinische Notfälle! Kaninchen, die nicht
selbstständig fressen, müssen zwangsgefüttert werden z.B. mit
Herbi Care, Critical Care oder Rodicare. Zusätzlich brauchen sie
Medikamente nach tierärztlicher Anweisung. Zahnfehlstellungen, Abszesse
oder andere Probleme im Kopfbereich können bei genauer Beobachtung schon
früh durch Verhaltensänderungen beobachtet
werden. Fressensgewohnheiten können sich ändern, weil
Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme bestehen, oder weil der Kauvorgang
schmerzhaft ist. Für größere Probleme im Kopfbereich
sprechen verstärkter Speichelfluß, Zähneknirschen, mit den
Pfoten häufig um das Mäulchen fahren, Schmerz bei Berührung der
betroffenen Gegend, Kauen nur mit einer Kieferseite und Abmagerung. Weiterhin
ist eine Abnahme oder Einstellung des Putzverhaltens, was an Schuppen und losen
Haaren, an unsauberen Ohren und Perianaldrüsen erkannt werden kann, ein
Hinweis auf eine Mundhöhlen- oder Kopferkrankung.
AUSSCHEIDUNGSVERHALTEN
Kotabsatz ist ein ziemlich
kontinuierlicher Prozess und geschieht bei gesunden Kaninchen relativ passiv in
einer sitzenden Position mit dem Schwanz nach unten. Halter sollten sofort den
Tierarzt aufsuchen, wenn ein Tier weniger Kot absetzt, Schwierigkeiten beim
Kotabsatz hat, oder überhaupt keinen Kot absetzt. Dem Tierarzt werden
solche Fälle häufiger vorgestellt, weil der Tierhalter glaubt, dass
Kaninchen hätte Verstopfung. Der Bauch kann ausgedehnt erscheinen und das
Tier kann eine angestrengte und angespannte Körperhaltung einnehmen.
Dieses Krankheitsbild liegt aber wahrscheinlich häufiger an Abmagerung und
Nichtweiterbeförderung des Magen-Darm Inhaltes aufgrund anderer
medizinischer Gründe. Magen-Darm Schmerz zeigt sich bei Kaninchen durch
Abmagerung, Zähneknirschen, vermehrtes Trinken, den Bauch auf den Boden
drücken oder Sitzen in einer verspannten Körperhaltung. Das
können Magengeschwüre, teilweiser oder kompletter Magenverschluss,
nicht Weiterbefördern von Magen-Darm Inhalt, ein Darmverschluss oder eine
Darmentzündung bewirken. Hier ist es äußerst wichtig,
Schmerzmittel zu verabreichen und die Stasis (= Nicht Weiterbeförderung
von Magen-Darm Inhalt) zu behandeln, egal aus welchem Grund sie entstanden
ist. Der Inhalt des Magen-Darm Traktes beim Kaninchen kann 10 - 20% seines
Körpergewichts betragen. Der Magen enthält ungefähr 15% des
Magen-Darm Breis. Bei einem gesunden Kaninchen sollten immer Futter und
Cäkotrophe (= wiederaufgenommener Blinddarmkot) im Magen vorhanden sein.
Die Dünndärme beinhalten etwa 12% des Magen-Darm Breis, während
der große, dünnwandige Blinddarm etwa 40% beinhaltet, mit einer
10-fachen Kapazität vom Magen. Kaninchen machen Koprophagie, d.h. sie
fressen ihren Blinddarmkot, weiche, traubenartige Klumpen aus runden
Blindarmkotbällchen direkt vom After. 3 - 8 Stunden nach dem Fressen
beginnen die Tiere mit der Koprophagie. Man nimmt an, die Koprophagie wird
durch den Dehnungseffekt des Kotes auf die Wand des Dick- und Enddarms
ausgelößt. Diese Kotbällchen haben eine gelatineartigen
Überzug, der sie vor der Magensäure schützt, so dass sie in den
Dünndarm gelangen können, und dort wieder resorbiert werden.
Übergewichtige Tiere und ältere Tiere, die an Arthrose oder
Verkalkung der Bandscheiben leiden, sind häufig nicht in der Lage diese
Kotbällchen aufzunehmen. Bei diesen Kaninchen ist die Afterumgebung
häufig verschmiert und verschmutzt. Eine zu proteinreiche Fütterung
kann auch zu einer Überproduktion von Blinddarmkot führen. Oftmals
suchen Tierhalter, die diese Ausscheidungsform ihres Kaninchens bisher nicht
beobachtet hatten, aufgeregt einen Tierarzt wegen vermeintlichen Durchfalls
ihres Tieres auf. In schweren Fällen wird der After durch angetrocknete
Kotmassen blockiert, die schwere Hautentzündungen nach sich ziehen
können. Daher sollten Besitzer die Aftergegend ihres Tieres täglich
kontrollieren, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen. Wildkaninchen
haben in ihren Bauten ein Latrinengebiet zum Koten und Urinieren eingerichtet.
Bei domestizierten Kaninchen kann diese Verhalten auch beobachtet werden. Sie
setzen Urin und Kot immer an derselben Stelle im Käfig ab. Dadurch wird es
auch ermöglicht sie an eine Toilette zu gewöhnen. Als Heranwachsende
lernen sie das leicht, aber wenn sie geschlechtsreif werden, beginnen sie ihr
Territorium mit streng riechendem Urin und Kot zu markieren und vergessen ihr
Toilettenverhalten. Durch Kastration, möglichst schon mit 4 - 6 Monaten),
kann sich bei beiden Geschlechtern dieses Verhalten gar nicht erst
entwickeln.
Gesunde Kaninchen produzieren eine große Menge Kot und
Urin jeden Tag. Deswegen muss die Toilette täglich gesäubert werden
und die Einstreu wenigstens 1 x wöchentlich ganz erneuert und gereinigt
werden. Zedern-, Kiefern- und andere Holzspäne sollten vermieden werden,
da man bei dieser Einstreu erhöhte Leberenzyme bei Kaninchen und Nagern
gefunden hat. Die verdampfenden aromatischen Öle dieses Einstreues
führten zu Atemwegs- und Hautproblemen. Auch können Holzspäne
Milben beherbergen. Recycelte Zeitungsprodukte, als Faser oder pelletiert sind
zu bevorzugen, denn sie sind saugfähig und ungefährlich, wenn sie
gefressen werden. Papiertücher und Zeitungen sind auch gut brauchbar. Heu
und Stroh können auch gebraucht werden, absorbieren aber Urin nicht so
gut. Katzenstreu sollte nicht verwendet werden, da es aufgenommen wird und zu
Magen-Darm Motilitätsstörungen oder Verstopfungen führen kann.
Der Zoohandel führt geeignete Produkte.
URINABSATZVERHALTEN
Harnabsatz geschieht fast
passiv, währenddessen der Schwanz des Kaninchens nur leicht angehoben
wird. Die Urin Ausscheidung liegt bei ungefähr 10 - 35 ml pro kg
Körpergewicht am Tag. Schwierigkeiten Urin abzusetzen zeigen sich in
aufgekrümmter Körperhaltung, während der Schwanz und der hintere
Teil des Körpers viel höher gehoben werden, um Urin abzusetzen. Dabei
können auch Laute ausgestoßen werden. Harnabsatzschwierigkeiten
können bei Harnwegsinfektionen, Harnsteinen und
übermäßigem Calcium im Urin bestehen, und bei weiblichen
Kaninchen von Fortpflanzungsstörungen begleitet werden. Ein Kaninchen mit
Harnabsatzschwierigkeiten kann verminderten Harnabsatz und Harndrang zeigen.
Ein vorher an eine Toilette gewöhntes Tier wird unsauber beim
Harnabsatz. Der Blutserumspiegel von Calcium spiegelt Calciumaufnahme im
Futter wieder. Im Gegensatz zu anderen Säugetieren, die nur ca. 2% Calcium
über den Urin ausscheiden, liegt die Ausscheidungsquote bei Kaninchen
zwischen 45 - 60%. Weil die Calciumausscheidung über den Urin erfolgt,
kann sich zäher Urin Schlamm in Form von ausgefälltem Calcium-
Carbonat bilden, der Steinbildung provozieren kann. Wegen einer Porphyrin
Pigment Bildung kann Kaninchen Urin orange bis bräunlich gefärbt
sein. Das kommt bei Kaninchen vor, die gewisse Antibiotika einnehmen, gestresst
sind oder bestimmte Pflanzenpigmente gefressen haben. Besitzer missdeuten diese
Erscheinung häufig als Blut im Urin. Mit einem Urin Testplättchen
kann der Unterschied leicht festgestellt werden. Im ultravioletten Licht
flouresziert Porphyrin, Blut aber nicht.
BEWEGUNGSVERHALTEN
Während Wildkaninchen ursprünglich
nachtaktiv sind, wurden sie während der Domestikation schnell tagaktiv,
ausgelöst durch externe Geräusche, Licht und der Fütterung
tagsüber. Es ist bewiesen, dass Kaninchen unter künstlichem
Lichteinfluss einen anderen Lebensrhythmus haben als solche, die unter
natürlichen Lichtbedingungen leben. Gesunde Kaninchen, die in Gruppen
zusammengehalten werden, verbringen die meiste Zeit des Tages zusammen. Obwohl
Wildkaninchen Bauten graben, die als Zufluchtsort dienen, und ihr Wohnbereich
nur sehr begrenzt ist, sind sie oberhalb der Erde sehr aktiv. Sie laufen herum,
hoppeln, rennen, jagen und spielen. Hoppeln ist die
Hauptfortbewegungsart. Kaninchen ruhen längere Zeit nachmittags. Sie
kuscheln sich aneinander, und fühlen sich so in größerer Anzahl
sicherer vor Raubtieren. Sie liegen seitlich mit ausgestreckten Beinen oder in
Brustlage mit nach hinten gestreckten Hinterläufen, häufig mit
offenen Augen. Wenn der Schlaf tiefer wird, fangen sie gelegentlich an zu
wackeln und lehnen sich an. Manchmal liegen sie sogar mit hochgereckten
Füßen auf dem Rücken. Schnarchen, Zucken, Flattern der Lider
oder Tasthaare können beobachtet werden, und vom Besitzer als
Anfallsgeschehen missdeutet werden.
Bewegung ist für Kaninchen von
großer Bedeutung für ihre Gesundheit. Kaninchen, die immer im
Käfig eingesperrt sind, noch dazu in zu kleinen Käfigen, haben ein
erhöhtes Risiko, an Fettsucht, Fußsohlenentzündungen,
Osteoporose und Wirbelsäulenverletzungen zu erkranken. Kaninchen, die
häufig Freilauf im Zimmer oder in der Wohnung haben, zeigen häufiger
wahre Freudentänze. Dann rennen sie sehr schnell und schmeißen die
Hinterläufe in die Luft. Freudig erregte Tiere können
Bocksprünge machen, häufig begleitet von Seitwärtsschlagen und
Körperschütteln. Freude wird auch durch Kopfschütteln oder ein
plötzliches Plumpsen auf die Seite oder den Rücken ausgedrückt.
Auch stehen die Tiere auf ihren Hinterpfoten, um besser sehend, hörend und
riechend die Umgebung zu erkunden. Wenn sie dazu Gelegenheit haben, erklettern
Kaninchen Gegenstände und liegen darauf zusammen und schlafen auf
erhöhten Plattformen. Wenn durch Treppen ermöglicht, findet man sie
oft bis zu 2 m über dem Zimmerboden sitzend. Es gibt leider keine Studien
über den vertikalen Raumbedarf von Kaninchen. Dagegen konnte gezeigt
werden, dass Raum zur Bewegung für Kaninchen wichtig ist. Kaninchen
sollten einen minimalen Platz haben, um hüpfen, auf den Hinterpfoten
stehen und höhere Bereiche erklettern zu können. Eine Beutetierart
wie Kaninchen braucht einen sicheren Unterschlupf, wenn es sich fürchtet.
Junge Kaninchen bewegen sich wie Teenager. Sie tendieren zu
Hyperaktivität, unbändiger Ausgelassenheit, Verspieltheit und
schelmisch zu sein. Sie sind sehr neugierig und zerbeißen alles und
graben überall. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis die Tiere ruhiger
und berechenbarer sind. Gelegentlich gibt es auch danach noch aktivere
Perioden. Manche Besitzer geben Kaninchen wieder ab, da sie das Verhalten des
Heranwachsenden nicht richtig einordnen können und ihm nicht angemessen
begegnen.
Ältere Kaninchen, ab einem Alter von 5 oder 6 Jahren,
bewegen sich langsamer und schlafen mehr. Wie bei anderen Tierarten aber auch
bedeutet älter werden, nicht Lethargie, abnehmender Appetit oder
Gewichtsverlust, sondern ein Krankheitsgeschehen, das untersucht werden sollte.
Vorsorgeuntersuchungen für ältere Kaninchen sollten vom Besitzer 2 x
jährlich initiiert werden, davon einmal mit einer Blutuntersuchung, um
schleichende Erkrankungen zu entdecken und zu behandeln.
Um abnormales
Bewegungsverhalten zu entdecken, sollte hier noch mal das normale Verhalten
aufgezeigt werden. Kaninchen hoppeln mit ihren Hinterläufen. Dabei wird
die gesamte Fußfläche beider Hinterläufe gebraucht und die
Füße verlassen den Boden gleichzeitig. Gehen Kaninchen langsamer, so
werden nur die Zehenspitzen der Hinterläufe belastet. Wenn das Kaninchen
steht oder sitzt, wird das Körpergewicht auf alle vier Pfoten
gleichmäßig verteilt. Wenn Kaninchen sitzen, berührt die
gesamte Fußfläche von der Ferse bis zu den Zehen den
Boden. Verhaltensänderungen in Köperhaltung und Bewegung
können verborgene Unterschiede, wie z.B. mehr Laufen statt Hoppeln mit den
Hinterläufen, sein. In normaler Sitzposition haben Kaninchen ihre
Hinterläufe direkt unter sich und ihr Rücken ist gut gerundet.
Kaninchen mit einer Encephalitozoon cuniculi Infektion dagegen können eine
leichte Parese (= teilweise Lähmung) der Hintergliedmaßen haben und
dabei eine mehr flache Position von Rücken und Hinterteil einnehmen. Ein
gliedmaßenkrankes Tier kann ungleichmäßig mit einem Lauf
leicht vom Körper abgestreckt sitzen oder leicht auf eine Seite geneigt
mit einem an den Körper gezogenen Lauf lehnen. Wenn das Tier sein Gewicht
verlagert erkennt man, dass das an den Körper herangezogene Bein das
kranke ist.
"Schiefhals" entsteht akut und kann verschiedene Gründe
haben. Ein aufgestellte Ohr mit gelegentlichem Kopfschütteln darf nicht
mit "Schiefhals" verwechselt werden. Hierbei kann es sich um eine
Ohrentzündung oder Milbenbefall handeln. "Schiefhals" tritt nicht mit
Unterbrechungen auf, und kann von "sich um die eigene Achse Drehen oder Rollen"
begleitet sein, besonders in den Anfangswochen bis -monaten des
Krankheitsgeschehens. Trotz Behandlung kann der "Schiefhals" bestehen
bleiben und begleitende Symptome müssen sorgfältig behandelt werden,
während mögliche Ursachen untersucht werden. Häufig
können Kaninchen gut mit einem dauerhaften "Schiefhals" leben, wenn sie in
den frühen Stadien der Erkrankung vom Besitzer gut unterstützt und
krankheitsentsprechend sorgfältig behandelt werden. Die
Käfigausstattung sollte nicht verändert werden, der Boden sollte mit
Teppichresten versehen werden, damit das Tier besseren Halt hat.
Toilettenseiten sollten tiefer gelegt werden, Futter- und Wasserbehälter
sollten leicht erreichbar sein. Erkrankte Tier sollten nicht von ihren
Käfigpartnern getrennt werden, um Stress zu
vermindern. Differentialdiagnosen für Bewegungs- und Stellungsanomalien
und "Schiefhals" sind: Weichteiltrauma, Frakturen, Luxationen,
Innenohrentzündung, E. cuniculi Infektion, Toxoplasmoseinfektion, Tumore,
Hirnhautentzündung, Blutvergiftung, Vergiftung u.a.. Wirbelfrakturen oder
-luxationen können dahintergelegene Lähmungen hervorrufen. Kaninchen,
die weniger bewegungsaktiv sind, die Schmerz bei Berührung der hinteren
Wirbelsäulengegend fühlen und in abnormaler Körperhaltung im
Käfig sitzen, sollten geröntgt werden, um Entzündungen der
Zwischenwirbelräume oder Arthritis an den Zwischenwirbelgelenken zu
erkennen. Unabhängig vom Grund des "Schiefhalses" finden Kaninchen bei
sorgfältiger Pflege häufig nach Tagen oder Wochen intensivster
Fürsorge ihren Appetit wieder. Je länger jedoch der "Schiefhals"
besteht, desto weniger wahrscheinlich ist die Rückkehr zu normaler oder
annähernd normaler Kopfhaltung. Physiotherapie, indem man das Kaninchen
stimuliert, auf die andere Seite zu drehen, hat erstaunlicherweise in vielen
Fällen Erfolg. Das kann durch Kratzen an der Flanke geschehen, um eine
reflektorische Kopfdrehung zu provozieren.
PUTZVERHALTEN
Kaninchen putzen sich akribisch wie auch die meisten
kleinen Heimtiere. Gegenseitiges Putzen von Artgenossen und des menschlichen
Pflegers sind ein Zeichen von Akzeptanz und Zuneigung. Putzt sich ein
Kaninchen, nachdem es angefasst oder behandelt wurde, so zeigt das an, dass das
Tier sich normal verhält. Kaninchen, die sich nur teilweise oder gar
nicht pflegen, sollten auf Unwohlsein oder Schmerzen untersucht werden.
Gründe für ein verlorengegangenes Putzverhalten sind: Fettsucht,
Arthritis (= Gelenkendzündung), Zwischenwirbelveränderungen,
Mundhöhlen- und Schnauzenerkrankungen, Juckreiz durch Parasiten oder jede
an Teilnahmslosigkeit gekoppelte Erkrankung. Wegen des starken
Putzverhaltens von Kaninchen ist es normal, dass im Magen-Darm Trakt dieser
Tiere Haare gefunden werden. Wenn Kaninchen genügend Rohfaser fressen und
trinken, bereiten die aufgenommenen Haare für die Tieren keine
medizinisches Probleme. Kurzhaarige Rassen sollten mehrmals wöchentlich,
während des Fellwechsels täglich, gebürstet werden. Langhaarige
Kaninchen sollten täglich gebürstet und hin und wieder geschoren
werden, damit es im Fell nicht zu Verknotungen und Verfilzungen kommt. Im
Haarwechsel sollten diese Kaninchen zweimal täglich gebürstet werden.
Ein Scheren von Kaninchen sollte unter Anästhesie vorgenommen werden, um
Stress zu vermeiden und um die dünne Haut nicht zu
verletzen. Fellausreißen kommt bei Kaninchen vor, wenn ein dominantes
Tier Haare von einem untergeordneten Tier auszupft. Kaninchen rupfen sich in
der späten Schwangerschaft oder während der Scheinschwangerschaft
Haare aus, um ein Nest auszupolstern, oder wenn sie nur faserarmes Futter
erhalten, gelangweilt oder gestresst sind. Sich selbst das Fell
auszureißen, kann auch stressbegleitetes Trennungsverhalten anzeigen.
Vermehrte Gaben von Grasheu und Grünfutter, Zugang zu Spielzeug, Abbau
von Überbesatz, wechselnde Lichtzyklen und Lichtintensität und
vermehrte Bewegung können helfen, dieses Verhalten
einzudämmen. Einfach herauszuziehende Haare, fettiges Fell,
Haarausfall, Juckreiz und ein struppiges Fell sind Anzeichen für
Parasitenbefall wie z.B. Milben. Kaninchen benutzen ihre Hinterläufe,
um Ohrenschmalz aus den Ohren zu entfernen, das sie dann auffressen.
Ohrenschmalzbildung in einem oder beiden Ohren kann ein Krankheitsgeschehen
anzeigen, welches die Beweglichkeit der Hinterläufe einschränkt. Die
Inguinaldrüsen können ungereinigt sein, wenn ein Tier zu dick ist,
oder wenn es eine Wirbelsäulen- oder Beckenerkrankung wie Arthritis oder
Zwischenwirbelentzündung hat. Kaninchen besitzen unter den Füssen ein
dickes Fellpolster, welches Haut und Knochen darunter schützt. Wenn die
Dichtigkeit dieses Kissens durch Feuchtigkeit, Verfilzung oder Scheren
gestört ist, führen Drucknekrosen zu
Fußsohlenentzündungen. Krallen sollten alle 2 bis 3 Wochen, oder
wenn sie zu lang sind, geschnitten werden. Zu lange Krallen verfangen sich in
Käfiggittern, Teppichen oder anderen Materialien und werden dabei
abgerissen. Das kann zu starken Blutungen führen. Kaninchen sind sehr
empfindlich bei Druck auf die Krallen. Daher sollte ein
Krallenschneidegerät erst vorsichtig angesetzt werden. Wenn das Kaninchen
dann das Bein wegzieht, ist das Schneidewerkzeug zu hoch angesetzt und sollte
neu positioniert werden.
KANINCHEN
in AUSSENHALTUNG
Viele Leute halten Kaninchen immer noch in
Ställen im Freien. Das ist nicht ideal, da es den Sozialkontakt zu
Artgenossen oder Menschen einschränkt. Viele solcher Ställe bieten
den Tieren nicht genug Platz, um sich zu bewegen und sich auf den
Hinterläufen aufzurichten. Es ist auch schwieriger, einen Käfig zu
bekommen, der sicher und bequem für die Kaninchen ist, und der sie vor
Beutetieren wie anderen Haustieren oder Wildtieren sicher schützt.
Allgemein gilt, dass Kaninchen Kälte besser tolerieren als Hitze. Aber
wenn sie draußen gehalten werden, ist ein geschlossenes Abteil (Haus,
Kiste o. ä.) im Stall nötig, um den Tieren Schutz vor Wind und
Isolation gegen die Kälte zu bieten. Selbstverständlich darf auch
keine Nässe in dieses Schutzhaus gelangen, denn dagegen sind Kaninchen
sehr empfindlich. Äußerst empfindlich reagieren Kaninchen auf Hitze
ab 25° C. Kaninchen können nur in sehr geringem Maße durch an
den Lippen gelegene Drüsen schwitzen. Ein kleiner Teil Hitze wird durch
die Ohroberfläche abgekühlt, wo ein umfangreiches arteriovenöses
System dafür sorgt. Sie schnappen anfangs erfolglos nach Luft und
dehydrieren (= trocknen aus) dadurch. Dann stellen sie die Atmung ein.
Anzeichen von Hitzestress sind verminderte Futteraufnahme, Stau von
Futtermitteln im Magen-Darm Trakt. Die Tiere liegen ausgestreckt auf dem Bauch.
Wegen der Hitze sind in Außengehegen Schatten und Luftbewegung zum
Überleben unbedingt nötig. Sauberes frisches Wasser muss zu jeder
Zeit verfügbar sein. Ferner muss dafür gesorgt werden, dass sich
Wildkaninchen nicht an die Ställe gelangen können. Hier könnte
es durch Kontamination von Gras und späterer Aufnahme als Futter zu E.
cuniculi Infektionen kommen. Selbstverständlich sollten die Kaninchen
regelmäßig gegen RHD und Myxomatose geimpft sein. Fliegengitter
halten Flöhe und Fliegen ab.
Durch
ABWECHSLUNG bereichertes VERHALTEN
Wie zuvor schon erwähnt,
sind Kaninchen sehr sozial und fühlen sich wohler, wenn sie zu zweit oder
dritt gehalten werden. Wenn Kaninchen in einem Käfigsystem gehalten wird,
das den Zugang zu zwei Käfigen erlaubt, bevorzugen es einzelne Kaninchen,
mit anderen in einem Käfig zu sitzen. Kaninchen sind intelligent und
verspielt. Häufig beginnen sie mit Menschen und Artgenossen zu spielen. Um
prächtig zu gedeihen, brauchen sie Beachtung und geistige Herausforderung.
Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter, aber fast alle lieben Schmuseeinheiten
und zartes Streicheln. Mit Menschen spielen sie Fangen, schlagen mit den
Vorderpfoten Bälle vor sich her, jagen vom Menschen an der Leine gezogenes
Spielzeug oder werfen Spielzeug in die Luft und fangen es wieder auf.
Kaninchen, die in Gehegen gehalten werden, sollten wegen der besseren
Luftzirkulation in Drahtkäfigen und nicht in Aquarien gehalten werden.
Weil Kaninchen täglich eine Menge Urin produzieren ist eine gute
Lüftung wichtig, damit sich keine Ammoniakdämpfe stauen, was wiederum
für die Tiere ungesund ist. Tiere, die in herkömmlichen
Käfigen ohne Gegenstände zur Verhaltensbereicherung gehalten werden,
zeigen häufig Unruhe, übertriebenes Putzverhalten, Gitterbeißen
und Scheu. Täglich sollten Übungseinheiten mit den Kaninchen
abgehalten werden. Dazu muss ein kaninchensicheres Areal geschaffen werden,
wobei Elektrokabel und gefährliche Gegenstände, die gekaut und
gefressen werden könnten, verbannt werden müssen. Auch dekorative
Topfpflanzen wie Oleander, Diefenbachie und Weihnachtsstern sind giftig, wenn
sie gefressen werden. Übungsräume können leicht durch
Babylaufställe oder Standgitter geschaffen werden. Während der Spiel-
und Übungszeiten kann der Besitzer zwischen seinen Tieren auf dem Boden
liegen und mit ihnen leise sprechen. So wird sich ein scheues Tier eher einem
Menschen nähern, der nicht auf der Höhe eines Beutetieres
erscheint. Wildkaninchen suchen häufig in Bauten Schutz, während
Hauskaninchen sich gerne in einem Tunnel oder einer Versteckkiste die Zeit
vertreiben. Man muss aufpassen, dass die Tier nicht den ganzen Tag in der Kiste
verbringen, die auf jeden Fall gut belüftet sein sollte. Ein scheues
Kaninchen, das den ganzen Tag in einem wenig belüfteten Versteck
verbringt, und uriniert und kotet, wo es liegt, kann Atemwegserkrankungen,
Haut- und Fußsohlenprobleme entwickeln. Auch in Zimmern oder im Haus
frei gehaltenen Kaninchen sollte eine Kiste oder ein Käfig zur
Verfügung gestellt werden, damit sie sich dorthin zurückziehen
können, wenn sie sich gestört fühlen. Es hat sich gezeigt, dass
Kaninchen gerne auf Häuschen oder Kisten sitzen. Daher sollten Käfige
groß genug sein, um ein erhöhtes Einrichtungsstück zu
beherbergen, auf dem die Kaninchen sich niederlassen können. Bögen
zum Grasen können an der Käfigdecke mit Draht so konstruiert werden,
dass dort umgedrehte Grasplacken eingebracht werden. Im Freien sollte es Wasser
und Schatten geben. Ferner sollte aufgepasst werden, dass Kaninchen nicht aus
dem Gehege entkommen können oder Beute von anderen Haustieren oder
Wildtieren werden. Kaninchen lieben es, flache Gruben zu scharren und sich
hineinzulegen. Und wenn keine Vorsorge getroffen wird, können sie sich aus
dem Gehege ausgraben. Die besten, billigsten und sichersten Spielzeuge
für Kaninchen sind fast immer vorhanden: z.B. Flechtkörbe,
Toilettenpapierrollen, Kartons, Papierbecher (nicht aus Styropor!),
Papiertücherrollen und unbehandeltes Holz. Papiertüten und andere
tunnelähnliche Gegenstände bedeuten Beschäftigung für die
Tiere und ähneln den Bauten in natürlicher Umgebung. Große
stabile Hartplastik Spielzeuge, wie es sie für Hunde gibt, können
auch zum Spielen eingesetzt werden, solange sie nicht zerkaut werden
können und keine scharfen Kanten besitzen. Kleine unbehandelte
Holzstücke sind hervorragend zum Kauen und können herumgestoßen
werden. Leere Getränkedosen mit einem Stein darin werden mit großer
Aufmerksamkeit behandelt. Zeitungen oder alte Telefonbücher, die unter ein
Tischbein gelegt werden, um Widerstand zu leisten, können von den Tieren
gezerrt und gekaut werden. Vorsicht ist geboten, dass die Tiere sich nicht an
kaputtem oder zerkautem Spielzeug verletzen können. Es hat sich gezeigt,
dass das Interesse der Kaninchen an Gegenständen zur Bereicherung ihres
Alltags mit der Zeit abnimmt. Daher müssen immer wieder andere
Gegenstände angeboten werden. Für tägliche Ablenkung sorgen auch
Heu und Stroh, um darin zu liegen oder sich darunter zu wühlen, und das
Fressen. Eine Wanne oder Kiste mit losem Stroh, Körbe aus Stroh,
unbehandelte Weidenkörbe oder Strohmatten bieten Zeitvertreib.
Grünblättrige Gemüseleckerchen, an verschiedenen Orten des
Geheges versteckt, bereichern die Umwelt eines Kaninchens. Es konnte bewiesen
werden, das die Gesamt-Aktivitätszeit bei Kaninchen mit futterbereichertem
Spielzeug länger war als die bei Kaninchen mit nur nicht-futterenthalten
Gegenständen. Kaninchen, die lockeres Heu zur Verfügung haben,
fressen seltener die Haare von Käfiggenossen ab. Eine Vielzahl von
kaninchensicheren Ablenkungsmaßnahmen, Spielzeugen und gesunden
Futterüberraschungen ermutigen Kaninchen zu Bewegung, schränken
Langeweile ein, vermindern zerstörerisches Verhalten und Aggression
gegenüber Käfiggenossen. Eine abwechslungsreiche Einrichtung ist
daher genauso wichtig wie Ernährung und medizinische Versorgung.
MEDIZINISCHE KONSEQUENZEN von UNNORMALEN
VERHALTENSWEISEN
Für Kaninchenbesitzer ist es wichtig, zu
beobachten, wie sich das Verhalten von kranken Tieren verändert und auf
Anzeichen für eine Erkrankung zu achten. Gesunde Kaninchen sind
neugierig, aufmerksam und erkunden immer ihr Gehege durch Schnüffeln.
Glanzloses, struppiges Haarkleid oder leblose Augen, die gläsern und
verschwommen wirken, zeigen immer eine schwere Erkrankung an. Normalerweise
suchen gesunde Tiere die Nähe von Artgenossen oder Menschen. Wenn sie
erkrankt sind, ziehen sie sich zurück und werden weniger
aktiv. Kaninchen wie auch andere Beutetierarten tendieren dazu,
Krankheitsanzeichen oder Schmerzen zu verbergen, besonders wenn sie sich
fürchten und in einer fremden Umgebung beim Tierarzt sind. Mit jedem
neu erworbenem Kaninchen sollte der Besitzer beim Tierarzt einen
Gesundheitscheck machen lassen. Danach jährlich oder halbjährlich.
Das hat den Vorteil, dass das Kaninchen sich an den Veterinär und die
Situation gewöhnt. Probleme können eher entdeckt werden,
möglicherweise ehe sie dem Besitzer augenscheinlich werden. Bei Kaninchen
ab einem Alter von 5 Jahren sollte eine jährliche Blutuntersuchung gemacht
werden, um nach möglichen altersbedingten Veränderungen zu fanden und
Vorsorge zu treffen. Je nach Haltung sollten Kaninchen auch halbjährlich
gegen Myxomatose und jährlich gegen RHD geimpft werden. Kaninchen sind
sehr stressanfällig. Wenn sie länger angefasst werden (Behandlung
beim Tierarzt) oder zu lang an der Brust des Besitzers gehalten werden,
können sie überhitzen und anfangen, nach Luft zu schnappen. Dann muss
die Belüftung des Raumes sofort verstärkt werden und das Kaninchen
auf den Boden weg vom Halter gesetzt werden. Der häufigste Grund, warum
kranke Kaninchen dem Tierarzt vorgestellt werden, ist die Magen-Darm
Funktionsstörung. Sie ist gekennzeichnet durch abnehmenden Appetit,
Abmagerung, verminderten oder gar keinen Kotabsatz. Krankheitsanzeichen sind
verminderte Wasseraufnahme, aufgekrümmtes Sitzen, angespannter Bauch und
Zähneknirschen. Eine komplette Verlegung des Magen-Darm Traktes macht sich
durch ein schwer gestörtes Allgemeinbefinden, Austrocknung,
Aufblähung und Untertemperatur bemerkbar. Wenn dieser Zustand nicht
umgehend behandelt wird, führt der Zustand zu Schock und Tod. Magen-Darm
Störungen folgen meistens auf andere Krankheiten, Stress oder Schmerzen,
und sind häufig Begleiterscheinungen bei zu kohlenhydratreicher
Ernährung, zu geringer faserhaltiger Ernährung, Bewegungsmangel und
vermehrter Haaraufnahme. Wenn der Zustand des Kaninchens stabil ist, wird
der Tierarzt versuchen herauszufinden, was der Grund für das krankhafte
Magen-Darm Geschehen ist. In der Zwischenzeit werden dem Kaninchen Elektrolyte
verabreicht, um die Magen-Darm Funktion zu unterstützen. Weiterhin werden
Antiblähmittel, Schmerzmittel und Motilität fördernde Mittel und
wenn für nötig erachtet auch Antibiotika verabreicht. Die
Magen-Darm Mobilität wird auch durch Zwangsfütterung von z.B. Critcal
Care, Herbi Care oder Rodi Care mehrmals täglich
unterstützt. Außer zu einer Magenoperation, wo 6 - 12 Stunden
helfen den Mageninhalt zu verkleinern, sollten Kaninchen für Operationen
nie fasten, da sie nicht erbrechen können wegen der dünnen
Muskelschicht des Magens. Kaninchen sind Nasenatmer, daher sollten ihre
Atemwege stets frei sein. Eine Blockade des Tränen-Nasenganges ist ein
häufiges Problem bei Kaninchen und führt zu vermehrtem
Tränenfluss. Der Tränen-Nasengang ist sehr eng und verengt sich noch
mehr im Bereich des Oberkieferknochens, wo die Wurzel der oberen
Schneidezähne liegen. Wenn Tränenüberschuss oder
Augenausfluss bestehen sollten immer die Zähne, die Ohren, die Augen und
die Tränen-Nasengänge untersucht werden. Bei weiblichen Kaninchen
stehen an vorderster Front der Erkrankungs- und Sterberate Erkrankungen der
Geschlechtsorgane wie Uterusadenokarzinom und andere Neoplasien wie
zystöse Eierstöcke, Eierstockstumore, Entzündung des Uterus,
Gebärmuttervereiterung u.a.. Oftmals wird Blut im Urin oder ein
blutig-seröser Ausfluss aus der Scheide beobachtet. Erkrankungen des
Sexualapparates bei weiblichen Kaninchen sind oft von Verhaltensänderungen
begleitet wie von aggressivem Verhalten, Nestbauverhalten, sich Haare vom Bauch
ausziehen, vermehrtem Trinken, vermehrtem Harnabsatz und Harnabsatz
außerhalb der Toilette. Wasser- oder Eiteransammlung in der
Gebärmutter oder Tumore in der Bauchhöhle bewirken eine Ausdehnung
des Bauches und führen dazu, dass das Kaninchen mit dem Kopf und den
Vorderbeinen erhöht liegt, um den Druck des Bauchinhaltes auf das
Bauchfell zu nehmen und leichter atmen zu können. Daher ist es aus
medizinischer Sicht ratsam, Kaninchenweibchen als Vorsorgemaßnahme in
jungen Jahren zu kastrieren. Das Risiko der Operation und Narkose ist weitaus
geringer als die Operation eines älteren schon erkrankten
Patienten. Eine Blutvergiftung in der späten Schwangerschaftsphase wird
bei fetten Kaninchen, die Stress oder Käfigwechseln ausgesetzt sind und
deshalb weniger fressen, beobachtet. Die Häsinnen werden schwach,
apathisch, laufen ataktisch und zeigen Atemnot mit einem azetonartigem
Atemgeruch. Sie verweigern dann die Nahrung, werden von Anfällen befallen,
verfallen in ein Koma und verenden. Hier hilft allenfalls eine
Gebärmutterentfernung, Zwangsernährung und Elektrolytzufuhr, aber
meistens ist die Prognose schlecht. Übergewicht ist ein alltägliches
Problem bei Hauskaninchen wegen übermäßiger Fütterung mit
Leckerchen und ungeeigneten Futter bei ungenügender Bewegung.
Übergewicht kann zu vielen medizinischen Problemen führen
einschließlich der Schwierigkeit sich zu putzen. Hier kann insbesondere
die Gegend um den After nicht erreicht werden, so dass das Tier keinen
lebenswichtigen Blinddarmkot aufnehmen kann. Wie auch beim Menschen und anderen
Tierarten kann zuviel Körperfett zu einer höheren Herzschlagfrequenz,
zu erhöhtem Blutdruck und zu einem stark vergrößertem Herz
führen. Fettsucht und eingeschränkte Bewegung sind häufig mit
vermehrtem Kalzium im Urin (= Harn- und Blasensteinbildung) und
Blasenentzündungen vergesellschaftet, möglicherweise wegen eines
Harnstaus. Übergewichtige Kaninchen, die Stress ausgesetzt sind und das
Fressen einstellen entwickeln sehr leicht die gefährliche hepatische
Lipidose (= Stoffwechselentgleisung infolge einer Leberverfettung).
Enzephalitozoon cuniculi wird von Kaninchen zu Kaninchen über Urin
übertragen und befällt hauptsächlich das Gehirn und die Niere.
Einige infizierte Tiere sind symptomlos, andere zeigen Harninkontinenz oder
Lähmungen der Hintergliedmassen. Bei anderen stehen Nystagmus (=
unkontrollierbare Bewegungen der Augen), um die eigene Achse Rollen,
Anfallsgeschehen nach Stress im Vordergrund. Ein steife Haltung und mehr Gehen
als Hüpfen mit den Hinterläufen kann alles sein, was klinisch von
Bedeutung ist. Schiefhals kann ein Symptom von E. cuniculi sein, wenn
Toxoplasmose und eine Mittelohrentzündung ausgeschlossen werden
können. Nierenversagen kann gar nicht so selten sowohl bei jungen wie
auch bei älteren Kaninchen vorkommen. Bei älteren Kaninchen zeigt
sich dann Lethargie, Niedergeschlagenheit, Futterverweigerung, vermehrte
Harnausscheidung und vermehrter Durst, Hautentzündungen im
Afterbereich. Wenn die Erkrankung früh genug erkannt wird, kann sich
das Allgemeinbefinden von den Kaninchen durch Infusionen und
unterstützende Maßnahmen gebessert werden, wie z.B.
Zwangsernährung. Dabei sollte die Heu- und Grünfütterung
verstärkt werden und die Pelletfütterung eingeschränkt
werden. Vermehrte Harnausscheidung, vermehrter Durst, Unsauberkeit beim
Urinieren, Hautentzündungen im Analbereich, Blut im Urin, Harndrang,
Harnträufeln, aufgekrümmte Haltung und Zähneknirschen sind
Anzeichen von einer Harnwegsinfektion. Harnsteine und Blasenschlamm werden
häufig bei übergewichtigen Tieren diagnostiziert, die mit
hochkalziumreichen Futter wie Luzerne Heu und Pellets gefüttert werden,
und die zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt
werden. Harnsteinbildung kommt häufiger bei ruhigen,
übergewichtigen und alten Kaninchen vor. Dabei ist eine ähnliche
Diät wie beim Nierenversagen nötig und eine zunehmende Bewegung bei
Vermeidung von stark mineralisiertem Wasser. Hautentzündungen in der
Analregion und Harninkontinenz können auch bei älteren
übergewichtigen Kaninchen mit Zwischenwirbelentzündungen,
Knochenarthritis und infolge von einer E. cuniculi Infektion beobachtet werden.
Hier wird Gewichtsabnahme gefordert. Für Kaninchenerstbesitzer ist es
sehr wichtig, über das Verhalten von Kaninchen bescheid zu wissen, und
zwar vor dem Erwerb eines Tieres. Kaninchen gehören zu den
häufigsten Opfern eines Spontankaufes, daher haben auch die Verkäufer
eines Zoomarktes eine große Verantwortung bei der Beratung eines
potentiellen Kaninchenkäufers.
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Photos Dieter
Stepanek
Copyright Dr.
Bernhard Lazarz 2/2008 |